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Jussi Adler-Olsen Erbarmen – Carl Mørck: Sonderdezernat Q, Fall 1

über den Autor

Jussi Adler-OIsen, geboren 1950 in Kopenhagen studierte vor seiner Schriftstellerkarriere zunächst Medizin, Soziologie, Politische Geschichte und Filmwissenschaften.Er war u.a.als Redakteur für Verlage, Komponist und als Koordinator für die dänische Friedensbewegung tätig.

Erbarmen erschien in Dänemark bereits 2007 und war für Adler-OIsen der Durchbruch in seinem Heimatland.Auch in Deutschland war Erbarmen auf den Bestsellerlisten vertreten. Adler-OIsens Bücher sind mittlerweile in 40 Sprachen Übersetzt und rund 10 Millionen mal verkauft worden. Erbarmen gab es bislang nur als über 10 Jahre alte,gekürzte Hörbuchausgabe.Nun hat Audible den Roman als über 11-stündiges Audible Original Hörspiel adaptiert. Eine Antwort ob diese Adaption geglückt ist oder nicht liefert der folgende Artikel.

Cover Audible original Hôrspiel Erbarmen

Der Plot

Carl Mørck, Vize-Kriminalkommisar der Polizei Kopenhagen ist am Ende. Nach einem missglückten Einsatz ist ein Kollege tot,der andere im Rollstuhl und er selbst traumatisiert. Noch dazu ist er bei seinen Kollegen als unerträglicher Querulant verschrien. Feuern kann man Carl allerdings auch nicht. In dieser Situation beschließt Carls Chef Markus Jakobsen Mørck die Leitung des auf Druck der Politik neu einzurichtende Dezernat Q zu übertragen. Dieses soll cold Cases, also seit langem ungeklärte Fälle aufklären. Nebenbei will man Mørck auch kalt stellen. Als Unterstützung erhält er lediglich den Syrischen Flüchtling Hafez El-Assad. Zunächst ist Carl seine Verbannung gar nicht so Unrecht, bis Assad und er auf den Fall Merete Lynggard stoßen. Vor fünf Jahren ist die aufstrebende Politikerin spurlos von einer Fähre verschwunden. Eine Leiche wurde jedoch nie gefunden. Schnell tauchen Widersprüche auf und die beiden beginnen zu ermitteln.

Die Bewertung

Verschachtelter Aufbau

Das Hörspiel erzählt die Geschichte aus verschidenen Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen. So erfährt der Hörer schon zu Beginn, das Merete Lynggard 2002 tatsächlich entführt und in einem Tank hermetisch von der Außenwelt abgeschottet fest gehalten wird. Auf einer zweiten Ebene werden den HörerInnen Carl Mørck und Hafez el Assad vorgestellt. Fortan wechseln sich in regelmäßiger Folge Meretes Perspektive, die bereits mehrere Monate vor der Entführung ansetzt und die Ermittlung von Carl und Assad im Jahr 2007 ab. Die für ein Hörspiel lange Laufzeit von über elfeinhalb Stunden ermöglicht es, dass die Hörerinnen und Hörer sowohl ausführlich den Ermittlungen folgen als auch das Martyrium der Merete Lynggard miterleben,bis alle Ebenen am Ende zusammengeführt werden. Was sich hier etwas Kompliziert liest, fühlt sich beim Hören aber schnell ganz natürlich an und macht, nach kurzer Eingewöhnung sogar Spaß.

Rasantes Erzähltempo, interessante Stilmittel, überzeugende Handlung

Der wohl größte Unterschied zwischen diesem Audible Original Hörspiel und klassischen Hörspielen ist neben der ungewöhnlich langen Laufzeit die Art der Inszenierung.Die Erzähler Parts von Erich Räuker sind gut gesprochen aber vergleichsweise sparsam eingesetzt. Sehr viel wird über Dialoge zwischen den Charakteren gelöst und beim Hören entsteht so tatsächlich der Eindruck,dass die Figuren in der Szenerie miteinander interagieren,statt die Dialoge, mehr oder weniger abzulesen. Zusätzlich setzt Regisseur Oliver Versch des öfteren den Inneren Monolog als Stilmittel ein, oder lässt Carl Mørck, ähnlich wie Frank Underwood in House of seine Gedanken und Erlebnisse direkt den Hörer erzählen, ihn also die sogenannte vierte Wand durchbrechen . Dadurch erhalten die Hörer und Hörerinnen Zugang zu Mørcks Gedankenwelt, was dem Hörspiel einen angenehmen Tiefgang verleiht. Zusammen mit den zügigen Wechseln, zwischen Perspektiven und Zeitebenen ,entsteht tatsächlich ein Gefühl von Kino im Kopf, dass einen in seinen Bann zieht. Dabei überzeugt nicht nur die Form der Adaption, auch die Handlung selbst macht Spaß. Man hört dem Ensemble einfach gerne zu und fiebert mit Carl, Assad und Merete mit, wie die Geschichte ausgehen wird. Der Clou der Handlung kommt dabei angenehm spät ans Licht.

Solide Charakterzeichnung

Die Zeichnung der Charaktere ist solide aber vor allem was die Hauptfigur Carl Mørck angeht wenig innovativ. Wie so viele Ermittler aus Skandinavien-Krimis ist Carl Mørck traumatisiert,sozial ziemlich inkompetent aber als Ermittler brilliant. Natürlich hat er auch eine Ehe versemnelt. Immerhin erspart Jussi Adler-Olsen seinem Kommissar den Alkoholismus vieler seiner Kollegen.Dies alles ändert aber nichts daran, dass man sich mit Carl beim Hören durchaus identifizieren kann , es mangelt ihm nur an überraschenden Momenten. Interessanter ist da schon die Figur Assad. Eingeführt als einfältiger Putzmann wird klar, dass dieser weit mehr kann als putzen und ganz offenbar Geheimnisse mit sich herum trägt. Für die weiteren Folgen der Serie lässt dies einiges erwarten. Merete wiederum nimmt man ihre Verzweiflung aber auch ihren Überlebenswillen ab. Insgesamt entwickelt Jussi Adler Olsen ein stimmiges Figuren-Ensemble.

Erstklassige Besetzung

Entscheidend für das Kino im Kopf Gefühl, ist, wie kann es bei einem Hörspiel anders sein, nicht nur die Art der Inszenierung und die Story, sondern vor allem die Sprecherinnen und Sprecher. schließlich hauchen Sie der Geschichte erst Leben ein.Hier hat sich Audible wahrlich nicht lumpen lassen und eine hochkarätige Runde bekannter Gesichter aus Fernsehen, Kino und Syncronisation verpflichtet, als da unter anderem wären:

Justus von Dohnányi,als Carl Mørck

Denis Moschitto,als Hafez El-Assad

Carolin Kebekus als Merete Lynggard

Matthias Köberlin,als Markus Jakobsen

Erich Räuker, unter anderem die Deutsche Stimme von Tom Paris in Startrek Raumschiff Voyager als Erzähler.

Eine besondere Überraschung auf der Besetzungsliste ist Carolin Kebekus. Kennt man sie bisher vor allen als scharfzüngige Standup Komikerin, beweist sie hier schauspielerisches Talent. Insgesamt ist die Auswahl erstklassig und keine Rolle wirkt wie eine Fehlbesetzung.

Musik passend , Sounddesign mit Schwächen

Die eingesetzte Musik und die Soundelemente sind größtenteils überzeugend. Sie klingen natürlich und transportieren die Stimmung der Geschichte meist gut. Gelegentlich aber wird das Ganze zu eintönig. Mit einer tickenden Uhr zu arbeiten, um zu demonstrieren, dass die Zeit gegen die entführte Merete läuft ist an Anfang noch ganz nett.Wenn das Ticken aber über 11 Stunden gefühlt jedes Mal eingesetzt wird, wenn die Perspektive auf Merete wechselt, verbraucht sich der Effekt einfach und geht dann doch etwas auf die Nerven. Für den bereits in Planung befindlichen 2. Teil der Serie ist ein bisschen mehr Varianz in diesem Bereich der Produktion auf jeden Fall wünschenswert.

Das Fazit

Erbarmen – Carl Mørck: Sonderdezernat Q, Fall 1 ist ein aufwendig produziertes,Thriller-Hörspiel mit top Sprecher Besetzung. Es bleibt bis zum Schluss spannend.Leichte Schwächen gibt es allenfalls beim Sounddesign, dass abwechslungsreicher sein könnte. Insgesamt ist Erbarmen – Carl Mørck: Sonderdezernat Q, Fall 1 ein gelungenes Hörspiel, dass Thriller Fans absolut überzegen dürfte und dank seiner cineastischen Inszenierung auch Hörspiel Skeptiker für sich gewinnt.

Note 4 Goldene Kopfhörer

Daten zum Hörspiel

Jussi Adler-Olsen Erbarmen – Carl Mørck: Sonderdezernat Q, Fall 1

Laufzeit 11 Stunden 36 Minuten

Bearbeitung und Regie Oliver Versch

Besetzung:

Justus von Dohnányi

Denis Moschitto

Carolin Kebekus

U.V. A

Produktion Audible Studios ,exklusiv abrufbar bei Audible.de

Preise:

9.95 € im Abo

23,23€ im Einzelkauf